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suchen.de gewinnt den Innovationspreis 2008 der "Initiative Mittelstand" - so ein Schmarrn!

Von Hanns Kronenberg - 30 April 2008

suchen.de
In der Kategorie „Internet Services“ gewann die lokale Suchmaschine suchen.de der t-info GmbH eine Auszeichnung beim Innovationspreis 2008 der „Initiative Mittelstand“. Die Begründung für die Auszeichnung erscheint etwas verwunderlich. So wurde suchen.de für eine Funktion ausgezeichnet, die irgendwie so gar nicht innovativ ist.

Auf ihrer Website begründet die "Initiative Mittelstand" ihre Auszeichnung von suchen.de wie folgt:

"Klickbasierte Werbung ist ein gängiges Geschäftsmodell aller großen Suchmaschinen. Dabei handelt es sich um Werbung, die der Nutzer nur dann sieht, wenn sie inhaltlich zu den von ihm eingegebenen Suchbegriffen passt. Das werbende Unternehmen zahlt für eine solche Internet-Anzeige allerdings erst wenn der User tatsächlich darauf klickt. Die t-info GmbH wurde von der „Initiative Mittelstand“ jetzt dafür ausgezeichnet, dass sie bei suchen.de die klickbasierte Werbung „lokal“, sprich: ortsbezogen, gemacht hat. Das bedeutet: Der Nutzer sieht eine Anzeige nur, wenn er die Suche nach einem Produkt oder einer Dienstleistung und auch auf eine bestimmte Region oder Stadt eingrenzt. „Das macht die Werbung im Internet treffsicherer“, erläutert Andreas Arndt, Geschäftsführer der t-info GmbH....

... Beispiel: Wer die Suchbegriffe „Maler“ und „Nürnberg“ eingibt, sieht anschließend neben der Trefferliste Werbung von Malern, die in und um Nürnberg ansässig sind...

... Mit der lokalen klickbasierten Werbung habe die Suchmaschine echte Pionierarbeit geleistet. Das Modell hat auch die Jury der Initiative Mittelstand überzeugt und daher suchen.de in der Kategorie „Internet Services“ eine Auszeichnung verliehen."

Diese Begründung lässt den erfahrenen Internet-Experten erst etwas verdutzt schauen und dann schmunzeln. Da schreibt doch die "Initiative Mittelstand" tatsächlich, dass es sich bei klickbasierte Werbung um ein ein gängiges Geschäftsmodell aller großen Suchmaschinen handelt, aber erst suchen.de sie ortsbezogen gemacht hat. So ein Schmarrn!

Ich weiß ja nicht, wer in dieser Jury gesessen hat, aber glauben die Damen und Herren wirklich, dass man bei den "großen Suchmaschinen" keine Keywordkombinationen wie "Maler Nürnberg" buchen kann und dass die geschalteten Anzeigen auch dann erscheinen, wenn man "Maler Bielefeld" sucht?

Google AdWords kann sogar noch deutlich mehr. Dort ist es auch mögliche ein Geotargeting für Anzeigen vorzunehmen, die ebenfalls pro Klick vergütet werden, ohne dass der Suchende einen Ort angegeben hat. Sucht beispielsweise ein Internetnutzer aus Nürnberg bei Google nur nach dem Wort "Maler", also ohne den Ortsbezug "Nürnberg", so kann der Anzeigenkunde auch dann seine Anzeige ausliefern lassen, da sich der potentielle Kunde in Nürnberg befindet. Stellt hingegen ein Internetnutzer aus Bielefeld die gleiche Suchanfrage nach "Maler" wir die Anzeige hingegen nicht angezeigt.

Insbesondere bei Suchbegriffen, die eher selten in Kombination mit einem Städtenamen gesucht werden, ist dieses Geotargeting von Google sehr hilfreich. So werden beispielsweise Finanzbegriffe wie "Baufinanzierung" oder "Tagesgeldzinsen" eher selten in Kombination mit einem Ort gesucht (z.B. "Baufinanzierung Nürnberg"). Für eine ortsansässige Bank und viele andere Branchen ist daher das Geotargeting der Anzeigen eine großartige Hilfe.

geotargeting.jpg
Geotargeting bei Google AdWords



Darüber hinaus lässt sich das Geotargeting noch sehr viel stärker eingrenzen, als nur auf das Gebiet einer ganzen Stadt. So kann der Anzeigenkunde die Sichtbarkeit seiner Anzeigen auf einen frei bestimmbaren Umkreis einer Adresse begrenzen. Damit ist es auch möglich, dass der Maler aus Nürnberg seine Anzeigen z.B. nur in einem bestimmten Stadtteil anzeigt. Interessant ist diese Funktion insbesondere für lokale Unternehmen, die einen sehr kleinen Einzugsbereich haben, wie beispielsweise eine Reinigung. Ebenso ist es möglich den Umkreis zu erweitern und so auch das Einzugsgebiet rund um die Stadt mit einzubeziehen.

Sehr innovativ scheint die Lokalisierung der Anzeigen bei suchen.de also nicht. Vielleicht haben sie eher eine Auszeichnung dafür verdient, dass sie es geschafft haben, die Jury der Initiative Mittelstand zu überzeugen. Dort glaubte man anscheinend wirklich, dass suchen.de etwas kann, wozu die "großen Suchmaschinen" angeblich nicht in der Lage sind.

Ich freue mich, wenn Unternehmen in Deutschland Google die Stirn bieten und mit innovativen Angeboten auf den Markt kommen. Aber solche Nachrichten stimmen mich pessimistisch.  Anstatt sich gegenseitig die Hände zu schütteln und dafür feiern zu lasen, dass man es nach Jahren geschafft hat eine simple Funktion von Google zu kopieren, sollten man lieber die Ärmel aufkrempeln und echte Innovationen entwickeln. Sonst ist die Welt auch weiterhin eine Google.

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